Wenn Ballspielen zur Sucht wird

Hat Ihr Hund nur noch seinen Ball im Kopf? Erfahren Sie, welche Hunderassen besonders betroffen sind, für welchen Hundetyp welches Spiel sinnvoll ist und ob Ihr Hund bereits ein Balljunkie ist!

Balljunkie

Wenn Golden Retriever Rico einen Ball sieht, flippt er völlig aus. Er schaut nur noch auf das Spielzeug: Wann wird es geworfen und wo fliegt es hin? Rico liebt Bälle, und seine Besitzer versuchen, ihn nicht zum absoluten Balljunkie zu machen, der sich nur noch für den runden Gegenstand interessiert, dem er blind hinterher hechtet. Rico ist kein Einzelfall. Sehr viele Hunde finden Bälle grandios. Natürlich dürfen Sie mit Ihrem Hund damit spielen – doch dabei müssen Sie Ihre eigenen Regeln walten lassen, nicht die des Hundes.  

Training mit Ball  

Der Ball ist bei vielen Hundehaltern allgegenwärtig! Tierpsychologin und Verhaltenstherapeutin Uschi Loth hat dem Thema ein ganzes Buch gewidmet: „Hauptsache Ball“ heißt ihr lesenswerter Ratgeber. Darin verrät sie, wie es dem Halter gelingt, zu spielen, ohne den Hund völlig kopflos zu machen, und wie der Ball sogar ins Hundetraining eingebunden werden kann. Denn auch die Impulskontrolle kann mit dem Spielzeug wunderbar geübt werden. Der Ball stellt für den Hund eine Beute dar, der er instinktiv nachjagen möchte: Er rollt, hüpft, kullert und springt. Es macht riesig Spaß, ihn zu verfolgen, ihn zu erwischen und ihn zurückzubringen, damit er gleich wieder fliegt. Aber gerade hier ist Vorsicht geboten. Zu leicht wird der Vierbeiner zum Balljunkie, der völlig blind für alle anderen Reize ist und nur noch seinen Ball will. Sie dürfen das Spielzeug ruhig ein paarmal werfen, aber nicht zu oft. Sonst erhalten Sie bald einen Begleiter, der beim Spaziergang nicht mehr links oder rechts schaut, sondern nur noch auf den Ball in Ihrer Hand. Und das macht auf Dauer wirklich keinen Spaß.  

Problematisch ist vor allem auch, dass der Hund innerlich nicht mehr zur Ruhe kommt. Er ist permanent in Hab- Acht-Stellung, was auf Dauer zu Stress führt. Dieser geht einher mit Bluthochdruck und beschleunigter Herzaktivität. Alle Sinne sind mehr oder weniger ununterbrochen in Alarmbereitschaft. Über einen längeren Zeitraum hinweg führt dies fast unausweichlich zu gesundheitlichen Problemen, weshalb es wichtig ist, nach Phasen hoher Belastung eine längere Erholungspause einzulegen.  

Impulse kontrollieren  

Besonders Hütehunderassen sind durchaus gefährdet, allerdings nicht nur sie. Auch kann jede andere Rasse, jeder Mischling durch das dauernde Werfen und Jagen so aufgeputscht werden, dass sie sich nur noch für ihren Ball interessieren. Das Zauberwort, damit dies nicht passiert, lautet Impulskontrolle. Verhaltensbiologin Ariane Ullrich erklärt den Begriff, der aus der Humanpsychologie kommt, folgendermaßen: „Impulskontrolle ist die Hemmung des inneren Handlungsantriebs. Eine Impulshandlung ist eine Affekthandlung, die sich zusammensetzt aus der Stärke des Antriebs und der Fähigkeit zur Kontrolle desselben. Sie wird ohne besonderes Abwägen und Überlegen ausgeführt.“