Nasenarbeit für Hunde

Die Arbeit mit der Nase ist eine der artgerechtesten und vielfältigsten Beschäftigungsmöglichkeiten für Hunde. Was sie so reizvoll macht, wie Sie Ihren Hund schrittweise heranführen und warum Fährtenarbeit, Trailen und Co. ein wichtiger Bestandteil von Anti-Jagd-Seminaren sein sollten.

Nasenarbeit für Hunde

Hunde kommen blind und taub zur Welt. Augen und Ohren öffnen sich erst nach etwa zwei Wochen. Ihr Geruchsempfinden ist hingegen von Anfang an gut ausgeprägt. Dass der Hund ein Nasentier und uns Menschen auf diesem Gebiet haushoch überlegen ist, wird bei einem Blick ins Innere der Geruchsorgane schnell deutlich: Die Riechschleimhaut eines Schäferhundes umfasst ungefähr 150 Quadratzentimeter, bei uns sind es kaum mehr als fünf. Darauf befinden sich bei einem Schäferhund rund 200 Millionen Riechzellen. Unsere Nase bringt es auf fünf Millionen Duftrezeptoren. Auch die Größe des für das Riechen zuständigen Gehirnbereiches ist beim Hund in Relation zu seiner Gehirngröße um einiges größer als beim Menschen. Diese Voraussetzungen machen die Nasenarbeit zu einer der artgerechtesten Beschäftigungsmöglichkeiten von Hunden. Sie eignet sich für Hunde allen Alters. Jeder Hundehalter kann bereits im Welpenalter mit einfachen spielerischen Übungen beginnen und so die Nase seines Jungspundes aktivieren. Auf der anderen Seite kann auch ein älterer Hund, der körperlich nicht mehr belastbar, aber noch gut auf den Beinen ist, mit Freude seinen Riecher einsetzen.

Hundenasen für Spezialfälle

Hunde durch Nasenarbeit auszulasten ist Uwe Friedrichs ganz persönliche Leidenschaft. In seinem Hundezentrum TEAMCANIN in Löffingen im Hochschwarzwald bildet er unter anderem Familienhunde zu Lungenkrebsdiagnostikern zur Lungenkrebs-Früherkennung in Zusammenarbeit mit Fachärzten und Kliniken aus. Der ehemalige Diensthundeführer hat große Erfahrung in der Ausbildung von Schimmelsporen-, Sprengstoff- und Drogenspürhunden und bildete erfolgreich den weltweit ersten Kardio-Warnhund für ein schwer herzkrankes Kind aus. Doch es ist nicht nur die aufwendige und zeitintensive Ausbildung zum Assistenz- oder Rettungshund, die das Arbeiten mit dem fantastischen Geruchssinn Ihres Hundes so interessant macht. Gerade wenn Sie wenig Zeit haben, können Sie mit Ihrem Hund qualitativ etwas Positives und Hochwertiges machen, indem Sie ihn zum Beispiel kleine Gegenstände suchen lassen.

Interview mit Uwe Friedrich

Herr Friedrich, wenn sich alle Hunde ihre Lieblingsbeschäftigung aussuchen dürften, hätten wir dann in Deutschland rund fünf Millionen glückliche und zufriedene Nasenarbeiter?

Ich denke nicht. Es gibt durchaus einige Hunde, die gar nicht arbeiten wollen und schon glücklich sind, wenn sie ihren Menschen einfach begleiten dürfen. Trotzdem ist die Nasenarbeit für einen Großteil der Hunde – und zwar rasseübergreifend und unabhängig vom Temperament – eine artgerechte Auslastung. Die Arbeit muss aber auch dem Menschen Spaß machen und da bin ich in Anbetracht der vielen Bereiche, die Nasenarbeit bietet, davon überzeugt, dass jeder etwas findet.

Die Nase seines Hundes nicht zu fördern ist in etwa so, als würde man einen Mozart nicht ans Klavier lassen. Hinkt der Vergleich oder sollte sich tatsächlich jeder Hundebesitzer dazu verpflichtet fühlen, die Nase seines Vierbeiners zu schulen? 

Verpflichtet fühlen würde ich nicht sagen, aber wenn man als Hundehalter den Wunsch verspürt, seinen Hund auszulasten und dabei nicht in die Falle der Dauerbespaßung tappen möchte – die zum Beispiel bei Hütehunden ja genau das Gegenteil bewirken kann, nämlich dass sie zu regelrechten Bewegungsjunkies werden –, dann ist die Nasenarbeit durch ihre Vielseitigkeit sicherlich das Mittel der Wahl. Den Vergleich mit Mozart finde ich nett, denn es gibt sicherlich Hundetypen, wo er gerechtfertigt ist. Ich denke da an Spezialisten wie Schweißhunde und zum Teil auch an Vorstehhunde, die ja regelrecht dafür gezüchtet wurden, um mit ihrer Nase fantastische Leistungen zu erbringen.

Sie haben die vielseitigen Möglichkeiten der Nasenarbeit angesprochen. Welche wären das?

Gerade für Hunde, die zum Überdrehen neigen und die schnell in Hektik verfallen, bietet die Nasenarbeit tolle Möglichkeiten – zum Beispiel Modelle wie die Gegenstandssuche, Fährtenarbeit oder den Eigen- und Fremdtrail. Es freut mich sehr, auf unseren Geruchswelten-Seminaren auch immer mehr Hütehunde wie Border Collies und Australian Shepherds zu sehen. Das Arbeiten mit dem Sinnesorgan Nase hilft dabei, die Hunde geistig zu fördern und einen Ausgleich zu schaffen. Mittlerweile begreifen zum Glück immer mehr Menschen, dass es gar nicht gesund sein kann, seinen Hund ständig auf einem hohen Stresslevel zu führen und dass man dem Hund auch Arbeiten geben kann, die sehr konzentriert und ruhig stattfinden.

Sie sind dafür bekannt, sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Verraten Sie uns Ihr aktuellstes Suchmodell?
Eine besondere Herausforderung, die wir uns ausgedacht haben, ist die Suche nach einer Cent-Münze auf einer etwa 800 Quadratmeter großen Fläche, die der Hund dem Halter dann auch apportiert.

Was macht die Nasenarbeit so reizvoll?
Zum Beispiel das eben genannte Ziel, zu einer Auslastung zu kommen. Nasenarbeit begünstigt aber auch die Mensch-Hund-Beziehung sehr positiv: Der Hund wird zur Suche freigegeben. Während der Suche arbeitet der Hund selbständig. Beim Finden kommt dann wieder der Halter ins Spiel, der seinen Hund lobt und mit ihm das Erfolgserlebnis teilt. Und dann gibt es natürlich einige Hunderassen, die für die Nasenarbeit prädestiniert sind. Schweißhunde oder Jagdhunde haben eine regelrechte Nasenpassion. Es ist für sie selbstbelohnend, wenn sie das machen dürfen, wofür sie gezüchtet wurden.