Gesunde Zähne beim Hund

Die Zähne sind die wichtigsten Werkzeuge des Hundes. Trotzdem kommt die Zahnpflege häufig zu kurz. Die Folge sind Zahnstein und oft schmerzhafte Entzündungen. Dank modernster Zahnmedizin gibt es heute zum Glück viele Möglichkeiten, Zähne so lange wie möglich zu erhalten.

Zähne Hund

Hexi wollte nicht mehr richtig fressen. Zudem wirkte die 12-jährige Dackelhündin in letzter Zeit schlapp. Ihre Besitzerin führte das zunächst auf das reife Alter von Hexi zurück. Bei der Allgemeinuntersuchung in der Tierklinik Oberhaching stellte sich jedoch heraus, dass sich ihre Zähne in einem äußerst schlechten Zustand befanden. Sie waren stark von Zahnstein befallen. Zudem standen zwei Zähne unter Eiter. Das Röntgenbild zeigte einen dermaßen fortgeschrittenen Entzündungsprozess, sodass die beiden Zähne nicht mehr zu retten waren. Noch am selben Nachmittag zogen wir Lexi unter Kreislauf schonender Inhalationsnarkose die eitrigen Zähne. Nach einer anschließenden Zahnreinigung machte sich die Dackelhündin am Abend wieder mit Freude über ihr Futter her.

Fälle wie der von Lexi zeigen die Relevanz der Zahnmedizin in der Veterinärmedizin. Obwohl es kein Organsystem gibt, das häufiger erkrankt, unterschätzen Hundehalter zumeist die Bedeutung der Zahnpflege. Schon im Welpenalter kämpfen viele Hunde mit sogenannten persistierenden Milchzähnen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ausfallen, und mit Kieferfehlstellungen. Besonders häufig davon betroffen sind sehr kleine oder kurzköpfige Hunderassen, bei denen oftmals nicht ausreichend Platz für die Zähne vorhanden ist. Hunde mit Kieferfehlstellungen werden in aller Regel aus der Zucht ausgeschlossen, da eine genetisch bedingte Veranlagung zu befürchten ist.

Zahnfehlstellungen kieferorthopädisch korrigieren

Bei Hunden mit einem verkürzten Unterkiefer kommt es zum Beispiel oft zu Verletzungen des Oberkiefers, da sich die unteren Eckzähne in das Zahnfleisch des größeren Oberkiefers hineinboren. Verletzungen, die sich vermeiden ließen, denn eine Zahnfehlstellung ist bei rechtzeitiger Diagnose im Alter von fünf bis sieben Monaten kieferorthopädisch meist gut korrigierbar. Der Tierarzt fertigt die Zahnspange je nach individueller Anforderung entweder direkt an, oder er beauftragt damit einen Zahntechniker. Auch die von Zahnkorrekturen beim Menschen bekannten Brackets oder Dehnschrauben kommen inzwischen zum Einsatz. Die meisten Zahnspangen müssen nur sechs bis acht Wochen im Hundegebiss bleiben. In der Regel tolerieren die Hunde die Zahnspangen. Allerdings müssen sie während dieser Zeit auf Kauartikel verzichten.

In vielen Fällen beginnen Zahnprobleme mit harmlosem Zahnstein, der von den Besitzern zunächst nur als ästhetisches Problem oder als Geruchsproblem wahrgenommen wird. Mit zunehmendem Alter führt Zahnstein aber zu Zahnfleischentzündungen. Er gefährdet den Zahnhalteapparat und verursacht damit früher oder später Schmerzen. Nicht zu unterschätzen sind auch Auswirkungen auf lebenswichtige Organe: Eine Entzündung in der Mundhöhle kann Herz oder Nieren schädigen und auch Diabetes oder Hauterkrankungen deutlich verstärken. Die Ursache dafür sind Bakterien, die über die Blutbahn in die entsprechenden Organe gelangen. Von starkem Zahnsteinbefall sind besonders kleinrassige Hunde betroffen, die nicht so gerne kauen.

Abgebrochene Zähne untersuchen lassen

"Steinespieler" tragen immer wieder Zahnfrakturen davon, die in den meisten Fällen zu Komplikationen führen und deshalb Ernst genommen werden sollten. Abgebrochene Zähne können sich an der Zahnwurzel entzünden. Die Folge sind meist Zahnschmerzen und Zahnvereiterungen. Mithilfe eines Röntgenbildes kann ein Tierarzt dann feststellen, ob der Zahn noch zu retten ist oder ob er ihn ziehen muss.

Die moderne Zahnmedizin versucht dabei immer, Zähne soweit wie möglich zu erhalten. Dazu stehen dem Fachtierarzt für Zahnheilkunde eine Fülle an technischen Möglichkeiten zur Verfügung. So können inzwischen Wurzelbehandlungen und Überkronungen wie in der Humanmedizin durchgeführt werden. Maßnahmen, welche die Lebensqualität Ihres Hundes erheblich erhöhen und zudem lebensverlängernd wirken. Da Hunde nur selten Schmerzen zeigen und sich diese eher in einer allgemeinen Abgeschlagenheit oder Fressunlust äußern, ist es so wie bei Hexi für Tierbesitzer allerdings schwierig, das Problem zu erkennen. Meist ist die Zahnerkrankung eine Zufallsdiagnose im Zuge einer Impfung oder einer anderen Behandlung. Aus diesem Grund ist einmal im Jahr eine Routineuntersuchung ratsam, bei der auch die Zähne gründlich überprüft werden.