Ist Ihr Hund glücklich?

Ist Ihr Hund glücklich? Sie tun alles für ihn, sind sich aber unsicher, wie es wirklich in ihm aussieht, was er empfindet, wie es ihm geht? Warum es so wichtig ist, auf das Wohlbefinden unserer Hunde zu achten, und wie die Glücksformel für beiderseitige Zufriedenheit lautet.

Glücklicher Hund

Was ist Glück? Glück wünschen wir uns anlässlich des Neuen Jahres, bei Geburtstagen oder, wenn uns eine schwierige Aufgabe gelingen soll. In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (1776) wird dem Menschen sogar das Streben nach Glück („persuit of happiness“) ganz explizit als individuelles Freiheitsrecht zugestanden. Aber können auch Tiere Glück empfinden? Beschäftigt man sich etwas genauer mit der Biologie so stellt man fest: Das Glücksgefühl ist evolutionär sogar vorgesehen. Aber: Es war nie Selbstzweck sondern stellt quasi eine Belohnung dar. Ja, im Zentrum steht das Überleben. Und damit Lebewesen das Richtige tun, um das für sich selbst (und damit die Gruppe) sicherzustellen, hat die Natur ein körpereigenes Belohnungssystem eingeführt: So entsteht etwa das wohlige Sättigungsgefühl nach einer ausreichenden Mahlzeit. Oder das Gefühl der Geborgenheit bei Mutter und Kind beim Streicheln des Babys. Diese wissenschaftliche Erkenntnis, dass Glück evolutionär bedingt ist, aber macht eins deutlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Hunde ebenfalls so etwas wie Glück empfinden, ist ziemlich groß.

Glücklich lernen

Situationen, bei denen man ein gutes Gefühl hat, möchte man öfter erleben. Das kann man als Hundehalter prima für die Erziehung nutzen: Gelernt wird viel besser und nachhaltiger, wenn es in einer entspannten Stimmung abläuft. Und wenn man eine Übung mit einem Erfolgserlebnis beendet. Dieses bleibt nämlich im Gedächtnis haften und beim nächsten Mal ist der Hund gleich ganz erpicht darauf, diese tolle Stimmung wieder zu erleben. Das hat die Natur geschickt konzipiert. Aber wie sind die Zusammenhänge? Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass Hormone und Neurotransmitter das Glücksgefühl steuern. Es also weniger bewusst zu erreichen ist, als wir denken. 

Was passiert, wenn Lebewesen dauerhaft unglücklich sind? Das ist eine ganz spannende Frage. Glückliche Kinder wachsen in einer Umgebung heran mit Eltern oder Bezugspersonen, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit geben. Sie erleben, dass Konflikte lösbar sind. Auch sind sie weniger stressanfällig, haben das Gefühl, das Leben selbst bestimmen zu können, trauen sich mehr zu. Das ist nicht nur bei Menschen so, sondern auch bei Tieren. Wir alle wissen, dass Hunde in ihren ersten Lebenswochen Entscheidendes fürs Leben lernen und damit sind nicht nur motorische Fertigkeiten oder konkrete Umwelterfahrungen gemeint. Hunde, die nicht bei ihrer Mutter oder isoliert aufwachsen, haben im späteren Leben arge Defizite. Sie können mit Stress schlechter umgehen und unter verschiedensten Ängsten leiden. Außerdem fehlt ihnen das Urvertrauen. Glück ist kein menschengemachtes Gefühl, das auf Besitz oder Statussymbolen beruht. Ein Recht auf Glück im Sinne von persönlichem Wohlbefinden haben auch unsere Tiere. Was können wir also tun?

Persönlichkeit erkennen

Nehmen Sie Ihren Hund so wahr, wie er wirklich ist. Versuchen Sie, seine Persönlichkeit zu verstehen und beachten Sie seine speziellen Bedürfnisse und Neigungen. Ein Hütehund, der unterbeschäftigt ist, ist nicht nur nervig, er ist im Grunde auch unglücklich. Denn seine Bedürfnisse werden nicht erfüllt. Ein Vierbeiner, der nicht so gerne mit vielen unbekannten Hunden auf einer Wiese toben möchte, ist nicht glücklich, wenn Sie ihn dazu zwingen – auch wenn Sie es gut meinen. Vielleicht ist er zufriedener, wenn er mit ein oder zwei seiner engsten Freunde spielen darf. Finden Sie heraus, was Ihren Hund zum Strahlen bringt. Sie werden es sofort am Leuchten in seinen Augen sehen. Nur weil es ein Goldie ist, muss er noch lange nicht das Apportieren lieben. Vielleicht macht ihm Nasenarbeit mehr Spass. Probieren Sie unterschiedliche Dinge aus, ohne dabei jedoch in Stress zu geraten.

Laufen-lassen ...

… nicht immer und überall. Ja, zu viel Freiheit kann auch unglücklich machen, weil der Vierbeiner gar keine Regeln mehr kennt, an denen er sich orientieren kann. Orientierung gibt Sicherheit und diese wiederum macht glücklich. Aber: Lassen Sie Ihren Hund ruhig öfter rennen, toben, schnüffeln, schnüffeln, schnüffeln. Wenn es nicht zuverlässig mit dem Rückruf klappt oder die Jagdpassion zu groß ist, sollten Sie mit der Schleppleinen trainieren. Lassen Sie auch einmal 5 grade sein, nicht beim unkontrollierten Rennen durch den Wald oder an städtischen Gefahrenstellen oder wenn es um das Einhalten wichtiger Regeln geht, aber im übertragenen Sinn: Zu viele Befehle und Handlungseinschränkungen machen Hunde oft mürbe. Geben Sie Ihrem Vierbeiner immer wieder Gelegenheit, ein Problem selbständig zu lösen oder auf Erkundungstour zu gehen.
Entspannt spazieren gehenIhren Hund macht es glücklich, einfach einmal durchs Spazierrevier zu gehen, ohne dass Sie ständig etwas von ihm verlangen. Sie glauben nicht, wie glücklich er ist, wenn er endlich einmal in Ruhe die vielen Duftspuren analysieren darf, die er auf seinem Weg erschnuppert. Und das größte sind gemeinsame Erkundungsgänge durch die Natur. Das entspannt und macht nicht nur die Tiere glücklich.

Streicheln, wenn er es mag

Viele Hunde werden gerne gestreichelt, manche gar nicht oder nur an bestimmten Stellen. Nehmen Sie darauf Rücksicht. Das Streicheln gehört zu den innigsten Momenten, die wir miteinander erleben können. Streicheln beruhigt, das körpereigene Hormon Oxytocin wird ausgeschüttet, das die Bindung stabilisiert. Plötzlich ist nichts anderes mehr wichtig, Ihr Vierbeiner entspannt sich, Sie werden ebenfalls ganz ruhig. Wenn das kein Glücksmoment ist, den man gerne festhalten würde.

Ungestört fressen lassen

Nahrungsaufnahme hat ganz viel mit dem Gefu?hl der Sicherheit zu tun. Lassen Sie Ihren Hund in Ruhe fressen, er soll das Gefu?hl haben, dass er sich keine Sorgen um sein Futter machen muss. Es ist durchaus sinnvoll, das Hergeben des Futters zu trainieren. Aber das muss aus einer Freundschaftsgeste heraus trainiert werden und darf keinesfalls als Dominanzgeste des Menschen verstanden werden. Denn andernfalls entsteht Stress und dieser Stress ist dem Wohlbefinden unseres Vierbeiners absolut nicht zuträglich.