Hunde in der Dunkelheit

Warum sind manche Hunde nachts so komisch? Sie müssten sich mit ihren ausgezeichneten Sinnen doch viel besser orientieren können als wir. Die Antwort ist ganz einfach: Zumeist liegt es an uns!

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Was wäre ein Krimi ohne eine Szene, die in der Nacht spielt. Instinktiv beginnen wir zu schaudern, vergessen für die nächsten Minuten in die Chipstüte zu greifen, nur um kein Geräusch zu machen. Unsere Augen tasten den Bildschirm ab, doch wie im echten Leben sind wir nur bedingt dazu in der Lage, das Schwarz zu durchdringen. Die Dunkelheit macht uns unsicher, nervös, ängstlich. Jede Sekunde rechnen wir damit, dass jemand aus einer Ecke springt, ein Schuss fällt oder eine Bewegung uns zu Tode erschreckt. Und das alles nur, weil es dunkel ist!

Wir sind es gewohnt, mit unseren Augen die Umgebung abzutasten. Nachts sind wir dazu deutlich schlechter in der Lage wie Hund oder Katze. Dementsprechend nervös sind wir. Manche vielleicht nur ein wenig, andere deutlich mehr. Wir brauchen uns auf alle Fälle nichts vormachen: Unser Hund merkt das sofort! Ein leichtes Zucken an der Leine in einem kleinen Schreckmoment, vermehrtes Umsehen, genau dann verlangsamen, wenn ein Geräusch zu hören war oder gar die Straßenseite wechseln, weil im Dunkeln jemand entgegenkommt.

Alles Dinge, die bei Helligkeit kaum stattfinden. Für den Hund dürfte dieses andere Verhalten erst einmal ein Rätsel sein. Er hat längst durchschaut, dass da vorn nur der Nachbar mit seinem Hund entgegenkommt. Er lässt sich durch ein plötzlich auftauchendes Auto auch nicht aus der Fassung bringen, schließlich hat er es davor ja schon längst gehört. Seine Sinne sind viel schärfer, und dennoch lassen viele sich von unserer Unsicherheit anstecken. 

Jagd in der Dämmerung

Ohne unseren Einfluss würden sich Hunde in der Dämmerung wahrscheinlich genauso verhalten wie mitten am Tag. Denn für sie macht es fast keinen Unterschied: Sie hören genauso gut, sie riechen genauso gut und sie sehen fast genauso gut. Ideale Voraussetzungen für ihre wilden Verwandten, um zu dieser Zeit auf die Jagd zu gehen. In der ersten Dämmerung, wenn die Beutetiere langsam erwachen – oder im letzten Licht, wenn sie sich zur Ruhe begeben, dann schlagen Wildhunde, Löwen, Rotfüchse oder Dingos besonders gerne zu. Nicht nur sie weisen äußerst gute Sinne auf, dies trifft auch auf unsere Hunde zu: Durch ihre größeren Pupillen können sie mehr Licht aufnehmen als wir. Entscheidend ist jedoch eine reflektierende Schicht im Augenhintergrund, die das einfallende Licht widerspiegelt und es dadurch verdoppelt. Das sogenannte Tapetum lucidum ist auch der Grund, warum die Augen der Hunde im Dunkeln manchmal leuchten.

Immerhin sind wir den Hunden im Unterscheiden von Farben überlegen. Nachts hilft uns dies allerdings in keinster Weise weiter. Da wäre es schon praktischer, ihr deutlich größeres Sichtfeld zu besitzen – dann müssten wir uns nicht so oft umdrehen. Oder denken wir nur an ihren weitaus besseren Gehör- und Geruchsinn. Diese Fähigkeiten zusammengenommen lassen für sie die Nacht zum Tage werden. Sie sind stets bestens über ihre Umgebung informiert – inklusive unserer Unsicherheit!

Regeln in der Dunkelheit

Wir können unsere Hunde nicht täuschen, aber vielleicht versuchen Sie beim nächsten Spaziergang einmal, unsere vergleichsweise eingeschränkte Wahrnehmung etwas zu überspielen. Am besten beginnen Sie bereits auf dem Weg nach draußen: Freuen Sie sich auf den gemeinsamen Spaziergang, wie wenn die Sonne scheinen würde. Die Freude wird bestimmt sofort auf den Hund überspringen. Experimente lassen Sie bei Dunkelheit natürlich tunlichst sein: Nehmen Sie nur Wege, die Sie gut kennen, die Ihnen geheuer und möglichst beleuchtet sind. Leinen los sollte es ausnahmslos für Hunde heißen, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Zu groß ist die Gefahr, dass der Hund etwas in die Nase bekommt und plötzlich außer Sichtweite ist. Außerdem haben Sie so die Kontrolle darüber, dass er nichts Verbotenes vom Boden aufnimmt.

In der Stadt sollten Hunde prinzipiell an der kurzen Leine geführt werden, auf dem Land genügt auch eine Schleppleine. Ungeeignet sind Flexileinen, da die dünne Schnur im Dunkeln so gut wie unsichtbar ist. Einem entgegenkommenden Jogger oder Fahrradfahrer könnte diese schnell zum Verhängnis werden. Perfektes Bei-Fuß-Gehen ist nicht notwendig, aber am besten behalten Sie den Hund immer in Ihrer Nähe. Denn nicht nur wir können uns erschrecken, mitunter kann dies durchaus auch dem Hund passieren, wenn zum Beispiel plötzlich ein mit Mütze und Schal vermummter Fußgänger um die Ecke biegt. Seien Sie also stets gewappnet, dass Ihr Freund plötzlich ängstlich Zurückziehen oder einen Angriff nach vorn starten könnte. Führt Ihre Route entlang einer Straße ohne Bügergsteig, gehen Sie entgegen der Fahrtrichtung und lassen den Hund auf der von der Fahrbahn abgewendeten Seite gehen. Müssen Sie Straßen überqueren, ist doppelte Vorsicht geboten. Hier zahlt sich eine gute Erziehung aus, in der der Hund gelernt hat, sich vor dem Überqueren hinzusetzen und auf Ihr Zeichen zu warten.