Hundepelze

Seit vielen Jahren deckt Marcus Müller Tierquälerei in der Tierhaltungauf. Seine Dokumentationen mit offener und versteckter Kamera sind Zeugnisse der teilweise grausamen Realität in der Tierproduktion.

Hundepelze Pelzfarmen

Trotz zahlreicher, teils sehr bekannter Anti- Pelz-Kampagnen in den letzten Jahren scheint Pelz wieder modern zu werden. Wie erklären Sie sich das?
Marcus Müller: Pelz war nur in der Steinzeit modern. Heute versucht die Pelzindustrie den Menschen Pelz verdeckt unterzujubeln. Getarnt als Kragen, Innenfutter oder modisches Anhängsel. Viele Leute wissen gar nicht, dass es tatsächlich echter Pelz ist und halten es für Kunstpelz. Trotz aller Hurra-Rufe aus der Pelzlobby ist Pelz in Deutschland nach wie vor auf dem Rückzug.

In China wird unter anderem auch Hundefell verarbeitet und exportiert. Kaufen viele Menschen in Deutschland mit Pelz besetzte Jacken und Mäntel, ohne zu wissen, was sie da überhaupt tragen?
Marcus Müller: Das ist genau das Problem: Die Leute haben keine Ahnung, dass sie einen Hund an der Leine und einen am Kragen tragen – und das kommt gar nicht so selten vor. Die Pelzindustrie tut alles, um die wahre Herkunft der Tierfelle zu verschleiern. Gütesiegel wie „origin assured“, also aus gesicherter Herkunft, gaukeln Sicherheit vor. In Wahrheit kommt aber jeder Pelz aus Tierquälerei. Ich war in China und habe dort die Pelzfarmen, darunter auch Hundefarmen, gesehen, grauenhaft.

Kommt Hundepelz nur aus China oder auch aus anderen Ländern?
Marcus Müller: Hunde werden in vielen Ländern gegessen. Für den Handel mit Hundepelz dürften aber nur China, Indonesien, Süd- und Nordkorea relevant sein. Die Speisehunde in Indonesien sind zum größten Teil Streuner. Diese Tiere sind im Gegensatz zu den Zuchthunden aus der Massentierhaltung in China für Pelze ungeeignet. Den endgültigen Nachweis über die wahre Herkunft kann im Übrigen nur eine DNA-Analyse bringen. Mein Rat: Glauben Sie den Verkäufern beim Thema Pelz kein Wort.

Für welche Produkte werden die Hundepelze denn in der Regel verwendet?
Marcus Müller: Hauptsächlich Krägen und Innenfutter. Eher selten sind ganze Mäntel. Meistens sind es sehr preiswerte Produkte. Warum gerade Hundefell? Marcus Müller: Weil es millionenfach anfällt. Hunde sind in Teilen Asiens nichts anderes als bei uns Gänse. Sie sind ein Festtagsessen. Der Pelz ist ein Teil des Gewinnes, der mit den armen Tieren erwirtschaftet wird.

Sie sprechen auch schon mal Menschen auf der Straße an, um sie darauf aufmerksam zu machen, was sie da eigentlich tragen. Wie reagieren diese Menschen mit dieser Konfrontation?
Marcus Müller: Die meisten mit Unverständnis, teils auch mit Aggression. Besonders junge Leute mit Fellkragen sind scheinbar sehr desinteressiert. Aufklärung läuft da meistens in die Leere. Ich mache es trotzdem. Man sollte sich nach Menschen, die Nerz oder andere echte Pelze tragen umdrehen. Und zwar deshalb, weil es eine Schande ist, nicht aus irgendeinem anderen Grund.

Sie haben ja schon angesprochen, dass die Kennzeichnung von Pelzprodukten auch in Deutschland meist Augenwischerei ist. Wie sieht es denn rechtlich aus? Gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Pelzprodukte?
Marcus Müller: Nein, es gibt nur freiwillige Kennzeichnungen durch die Pelzindustrie. Da kann man sich eben nicht sicher sein, woher der Pelz kommt oder welches Tier dafür sein Leben lassen musste. Die meisten Opfer für Kragenpelze sind Marderhunde, Füchse oder Kojoten. Erstere leben in Käfigbatterien, letztere werden sogar mit grausamen Fallen gejagt.

Wie viele Pelzfarmen gibt es alleine in Deutschland und wie viele Tiere müssen in Deutschland jährlich ihr Leben dafür lassen, dass sich der Mensch modisch ausleben kann?
Marcus Müller: In Deutschland sterben für die Pelzindustrie etwa 250.000 Nerze, einige Marderhunde und eine unbekannte Anzahl an Chinchillas. Allerdings tut sich da gerade viel. Vor einem Jahr gab es noch 23 Farmen, heute sind es nur noch 14. Seit Ende 2011sind die alten Käfige illegal. Deswegen werden noch einige Farmen schließen. Das heißt aber leider noch lange nicht, dass die Behörden diese Betriebe sofort schließen. Leider weichen die Pelztierzüchter nach Polen, Russland oder gar China aus.

Können Sie uns etwas zu den Haltungsbedingungen auf den Pelzfarmen sagen?
Marcus Müller: Diese sind weltweit sehr ähnlich. In Deutschland leben die Nerze auf engstem Raum in Drahtkäfigen. Nerze sind Wildtiere, die sogar kleine Schwimmhäute haben. Für solche Tiere ist ein Leben auf Drahtgittern die reinste Hölle. Sie bekommen Verhaltensstörungen und werden nach einem kurzen Leben von etwa sechs Monaten mit Kohlendioxid vergast.

Was sagt das deutsche Tierschutzgesetz denn zu den Haltungsbedingungen auf Pelzfarmen?
Marcus Müller: Statt das Tierschutzgesetz klar anzuwenden und Pelzfarmen zu verbieten, setzen die Politiker auf neue Haltungsrichtlinien. Das ist unbefriedigend, da die Züchter so viele Schlupflöcher haben und ihr blutiges Handwerk weiterführen können. Leider versagt das deutsche Tierschutzgesetz nicht an der Formulierung, sondern an Politikern ohne Mut zum klaren Verbot

Gibt es Ihrer Meinung nach heute noch irgendeine Rechtfertigung dafür, Tierfell – egal welcher Art – zu tragen?
Marcus Müller: Ganz klar: Nein!

Wie können Käufer sicherstellen, dass es sich bei dem Pelzkragen oder der Pelzkapuze an der Jacke tatsächlich um einen Kunstpelz handelt?
Marcus Müller: Der Kenner erkennt echten Pelz an der Struktur. Wer wirklich wissen will, ob ein Tier am Kragen hängt, kann ein Haar ausreißen und anzünden. Riecht es nach Horn, musste ein Tier für den Kragen sterben. Im Übrigen sind viele Pelze giftig. Sie sind mit Chemikalien verseucht. Grundsätzlich gilt: Bei Zweifeln einfach ein Alternativprodukt ohne Fellbesatz kaufen.