Die Persönlichkeit des Hundes

Hunde sind wie wir Menschen das Produkt von genetischem Erbe und Umwelterfahrungen. Deshalb ist eigentlich kein Hund wie der andere, jeder besitzt eine eigene Persönlichkeit. Wir gehen dem Phänomen auf den Grund.

Hund Persönlichkeit

Welpen eines Wurfes, die unter denselben Bedingungen aufwachsen, müssten doch eigentlich vom Charakter her ziemlich ähnlich sein. Trotzdem sind sie das nicht, wie Welpenbesitzer immer wieder erstaunt feststellen. Dass man Tieren überhaupt eine Persönlichkeit zugesteht, ist nicht so selbstverständlich. Bis zur heutigen modernen Erforschung der tierischen Persönlichkeit dauerte es ziemlich lange. Heute beschäftigen sich viele Wissenschaftler damit, herauszufinden, wie es um die Persönlichkeit der Tiere bestellt ist. Bei ganz verschiedenen Tierarten konnte man das schon nachweisen. Der ungarische Ethologe Dr. Ádám Miklósi sieht sogar viele funktionelle Ähnlichkeiten in der menschlichen und tierischen Persönlichkeit. 

Persönlichkeitsmerkmale und Typen

Frühere erste Einteilungen orientierten sich noch an der 4-Temperamente-Lehre. So unterschied Iwan Pawlow (1849-1936) vier hundliche „Nervensystem- Typen“, die dem Melancholiker, dem Choleriker, dem Phlegmatiker und dem Sanguiniker nahekamen. Heute teilt man die Hundepersönlichkeiten in verschiedene Reaktionstypen ein. Ein Modell ist das der A- und B-Typen: A-Typen, sind mutigere Tiere (engl. „bold“ = kühn, wagemutig). Sie reagieren unmittelbarer, können sich besser durchsetzen als B-Typen, die zurückhaltender und passiver (engl. „shy“ = schüchtern) sind. Mit Stress können jedoch B-Typen meist besser umgehen, da sie nicht so schnell aufgeben wie A-Typen, die mit Frust nicht besonders gut umgehen können. Hätten Sie es gewusst: Bei Kohlmeisen, die wir alle aus unseren Gärten oder vom winterlichen Besuch am Futterhäuschen kennen, gibt es auch A- und B-Typen. Und da Erstaunliche ist: Nicht die A-Typen, also die forschen, sondern die B-Typen, die eher abwartenden, nehmen die oberste Rangposition ein. Das ist doch einmal etwas, worüber es sich lohnt nachzudenken. Parallelen bei Mensch und Hund sind nicht ausgeschlossen.  

Etwas komplizierter ist das sogenannte Fünf-Faktoren-Modell (FFM), das in der Humanpsychologie angewandt wird. Neuerdings ziehen Forscher dieses auch heran, Tierpersönlichkeiten einzuordnen. Die Persönlichkeitsstruktur setzt sich demnach aus fünf verschiedenen Verhaltensbereichen zusammen, in denen sich gegenüberstehen: 

  • Extrovertiertheit (z. B. Geselligkeit, Selbstsicherheit) – Reserviertheit 
  • Emotionale Stabilität – Neurotizismus (z. B. übermäßige Empfindlichkeit, Instabilität) 
  • Verträglichkeit (z. B. Kooperationsbereitschaft) – Unverträglichkeit 
  • Offenheit (z. B. Neugier) – Verschlossenheit 
  • Gewissenhaftigkeit (z. B. Ausdauer, Zuverlässigkeit) – Nachlässigkeit   P

Persönlichkeitstests bei Hunden

Dem einen oder anderen Hundehalter sind sogenannte Welpentests bekannt. Eine Testsituation ist die: Man legt einen Welpen behutsam auf den Rücken und schaut, wie er reagiert: strampelt er, wird er richtig sauer oder vertraut er dem Menschen. Auch wenn sich daraus Tendenzen über den Charakter des Tierchens ablesen lassen, so sehen Forscher die Welpentests etwas differenzierter: Sie lassen keine generellen Rückschlüsse auf das Gesamtverhalten im Erwachsenenalter zu.

Mit zunehmendem Alter der Tiere nimmt allerdings die Vorhersagewahrscheinlichkeit der einzelnen Persönlichkeitsmerkmale zu, vor allem wenn es um Eigenschaften wie Freundlichkeit, Ängstlichkeit und Spielverhalten geht. Neugier- und Furchtlosigkeit hingegen sind mehr von Umwelteinflüssen abhängig und entsprechend veränderbar. Das sind doch gute Nachrichten, oder? Persönlichkeitstests bei Hunden werden heute außerdem angewandt, um die zukünftige Eignung als Arbeitsoder Begleithund verlässlich vorherzusagen oder den Zuchtwert zu ermitteln.

Gene oder Umwelt?

Der Streit ist alt: Was beeinflusst die Persönlichkeit? Die Gene legen den Grundstein, aber sie sind nicht allein vorherbestimmend. Schon vorgeburtlich passiert einiges: Nicht alle Wurfgeschwister werden im Mutterleib völlig gleich mit Hormonen und Nährstoffen versorgt, woraus wohl Unterschiede im späteren Verhalten abzuleiten sind. Bei Mensch und Tier ist dann das nachgeburtliche Verhalten der Mutter weichenstellend und eine ausgeprägte mütterliche Fürsorge (Kraulen, Lecken, Putzen) schafft die optimalsten Bedingungen für die Entwicklung einer ausgeglichenen Persönlichkeit. Kinder dieser Mütter sind zudem weniger stressanfällig. Weiter angelegt werden die Persönlichkeitsmerkmale durch jede einzelne Umwelterfahrung und die allgemeine Lebenssituation. Bei Hunden ist die Persönlichkeit erst nach der Pubertät, in der sich auch bei ihnen noch einmal einiges neu sortiert, weitgehend gefestigt ist. Bei manchem Hund erst mit drei Jahren. Eines sind Hunde aber keinesfalls: nur von ihren Instinkten gesteuert. Das ist eine überholte Ansicht! Sie haben Gefühle wie Freude, Trauer, aber auch Angst.