Cirneco dell'Etna - Anmutiger Jäger

Ob von den Phöniziern, Griechen oder wiederholt von beiden eingeführt: Stehohrige, wendige rothaarige Jagdhunde gibt es auf der italienischen Insel Sizilien seit etwa 3.000 Jahren.

Der Name Cirneco wird meist auf die Herkunft aus der damals griechischen Kyrenaika, einer Landschaft im heutigen Libyen, zurückgeführt. Unverkennbar sind die Hunde auf Münzen zu sehen, die aus der Zeit zwischen 450 und 200 v. Chr. auf der Insel stammen und zeigen, dass Cirnecos dell’Etna damals genauso aussahen wie heute. Schon zu dieser Zeit waren Cirnecos dell’Etna also geschätzte Jagdhelfer, die auf den felsigen Hängen des Vulkans Ätna den Menschen halfen, Kaninchen zu jagen. Ihre Zugehörigkeit zu den Windhunden ist seit Kurzem auch genetisch erwiesen. Sie blieben auf der Insel, deren wechselvolle Geschichte allerdings zu einer solchen Verarmung der Bevölkerung führte, dass die Rasse zu verschwinden drohte.

Gemeinsam mit dem Tierarzt Dr. Maurizio Migneco machte sich daher in den 1930er-Jahren die sizilianische Baroness Agata Paterno Castello dei Duchi Carcaci, auch Donna Agata genannt, daran, die Rasse durch leidenschaftliches Sammeln und Weiterzüchten der vorhandenen Hunde vor dem Untergang retten. Dank Donna Agata ist die Rettung gelungen: Der urwüchsige, robuste Cirneco bekam 1939 seinen ersten Standard. Dieser wurde von dem bekannten Zoologen Professor Giuseppe Solaro geschrieben. Zur Erhaltung seiner ursprünglichen und funktionalen Eigenschaften muss ein Cirneco, der italienischer Schönheitschampion werden will, vorher die Jagdeignungsprüfung ablegen. In Sizilien noch immer als Jagdhund gebraucht, wird der Cirneco heute auch in Europa und den USA gezüchtet; wenngleich er dort aber noch selten anzutreffen ist.

Charakter & Verhalten

Der Cirneco dell’Etna ist ein lebhafter, anmutiger, wendiger und ausdauernder Jäger. Wie leidenschaftlich er seine jagdlichen Fähigkeiten auslebt, lässt sich zum Bespiel beim Coursing oder den Renne auf den Bahnen des Deutschen Windhundzucht- und Rennverbandes beobachten. Allerdings ist der mittelgroße, pflegeleichte Hund auch in der Lage, während eines Spaziergangs an der Leine, praktisch im Vorbeigehen einen Maulwurf zu fangen. Mit seinen Windhund-Verwandten teilt der Cirneco dell’Etna ein gewisses Maß an Eigensinn. Ansonsten sollte dieser sehr lernwillige und mental leistungsfähige Hund vor allem auch geistig ausgelastet werden. Agility, Suchspiele und Ähnliches machen dem Cirneco dell’Etna viel Freude und erhöhen zudem die Bindung zwischen Hund und Halter enorm.

Haltung & Pflege

Wenn der Cirneco dell’Etna nicht wie in seiner Heimat ausschließlich als Jagdhund gehalten wird, ist er bei guter Sozialisation ein freundlicher und umgänglicher Familien- und Begleithund, der Kinder liebt und sich mit anderen Hunden verträgt. Der kurz- und glatthaarige Cirneco dell’Etna ist pflegeleicht und robust. Wärme verträgt er gut, im Winter sollte der Cirneco dell’Etna aber, wenn er draußen nicht in Bewegung ist, gegen Kälte geschützt werden. Da die Rasse eher dazu neigt, wenig zu trinken, ist es angeraten, das Futter mit ausreichend Flüssigkeit anzureichern.

Beschäftigung & Erziehung

Beschäftigung und Erziehung sind beim Cirneco dell’Etna eng miteinander verbunden. Ein Hund, dessen Beziehung zu seinem Besitzer durch tägliche gemeinsame Beschäftigung stark geworden ist, lässt sich viel leichter lenken. Ein sich selbst überlassener Hund wird hingegen dazu neigen, seinen Eigensinn auszuleben – zumindest, bis er seine Flegelzeit mit etwa zwei Jahren hinter sich gebracht hat.

Damit ein Cirneco dell’Etna sein Herrchen oder Frauchen Ernst nimmt, bedarf es einer gewissen Konsequenz. Legen seine Besitzer diese an den Tag, ist der gelehrige Stehohr-Windhund gern zur Mitarbeit bereit. Der Cirneco dell’Etna lernt fast jeden Trick und jede Sportart schnell und gerne, wenn auch vielleicht nicht bis zur Wettbewerbsebene.

Erbanlagen & Gesundheit

Der strengen Selektion auf Funktionalität unterliegend hat sich diese ursprüngliche Rasse robust und gesund erhalten können. So sind beim Cirneco dell’Etna keine Erbkrankheiten oder angeborenen Gesundheitsprobleme bekannt und die Lebenserwartung liegt bei diesem mittelgroßen Hund deutlich über zehn Jahren.  

Steckbrief

  • Klassifikation nach FCI: Nr. 199, Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp; Sektion 7: Urtyp – Hunde zur jagdlichen Verwendung
  • Herkunft: Italien (Sizilien)
  • Größe:
    Rüden: 46 bis 50, maximal 52 cm
    Hündinnen: 42 bis 46, maximal 50 cm
  • Gewicht:
    Rüden: 10 bis 12 kg
    Hündinnen: 8 bis 10 kg
  • Fell: kurz, glatt und steif, an der Rute etwas länger (ca. 3 cm)
  • Fellfarben: falbfarben (mehr oder weniger intensiv) – einfarbig oder mit kleinen weißen Abzeichen
  • Lebenserwartung: 12 bis 14 Jahre
  • Verwandte Rassen: Pharaoh Hound/Kelb tal-Fenk, Podenco Andaluz, Podenco Canario, Podenco Ibicenco, Podengo Português, Kritikos Lagonikos