Herdenschutzhunde

Laut, stur und imposant – so beschreiben viele Menschen den typischen Herdenschutzhund. Wir haben uns diese selbstbewussten Hunde im Tierheim München mal genauer angesehen.

Herdenschutzhund Akbas

Kangal-Mix Apollo meldet im Münchner Tierheim lautstark jeden Besucher, der sich seinem Zwinger nähert. „Das ist typisch Kangal“, kommentiert Tierheimleiter Karl Heinz Joachim das Verhalten des neunjährigen Rüden. „Zu den Aufgaben dieses ursprünglichen, aus der Türkei stammenden Herdenschutzhundes gehörte es zum Beispiel, mit einer Kamelherde zu einem Weidegrund zu ziehen und sie erst einige Tage später wieder wohlbehalten zurückzubringen.“ Dabei waren Hunde wie Apollo häufig auf sich alleine gestellt. Sie mussten also selbst Entscheidungen treffen, wenn sie über die ihnen anvertrauten Nutztiere wachten und vor Dieben und Raubtieren schützten.

Ursprüngliche Aufgaben der Herdenschutzunde

Im Laufe der Jahrhunderte entstanden nicht nur in der Türkei, sondern weltweit verschiedene Herdenschutzhund-Rassen, denen ähnliche Aufgaben zuteil wurden. „Im Sommer bewachten sie Schaf-, Rinder- oder Ziegenherden. Im Winter bewährten sie sich dann zum Beispiel beim Schutz von Lagern, wo sie ihre Wachhundeigenschaften ebenfalls einbrachten“, erklärt Hundezüchterin und Herdenschutzhund-Expertin Petra Krivy. So wurde der tibetanische Do Khyi vor allem gezüchtet, um abgelegene Klöster und Anwesen zu bewachen. „Es gab aber auch einige Herdenschutzhund-Schläge wie zum Beispiel den Ungarischen Kuvasz, bei denen man lauffreudige Rassen wie Windhunde für die Jagd einkreuzte. Wenige typische Herdenschutzhunde fanden auch als Hüte- oder Treibhunde Verwendung“, sagt Petra Krivy.

Keine Hunde für jedermann

Die Haltungsformen dieser Hunde unterscheiden sich in ihren Ursprungländern meist deutlich von jenen in unserem alltäglichen Umfeld. Vielen der in Deutschland lebenden Herdenschutzhunden mangelt es an Aufgaben, die ihrem Naturell entsprechen. Dadurch können sie unausgelastet und für den normalen Hundehalter schwer zu handeln sein. Hinzu kommt die Bellfreude vieler Herdenschutzhunde. „Aus diesem Grund eignen sie sich weniger für eine Reihenhaussiedlung oder ein Mehrfamilienhaus. Eigentlich macht ein Herdenschutzhund ja nur seinen Job, wenn er kommentiert, was um ihn herum geschieht. Dafür wurde er schließlich gezüchtet. Die Nachbarn werden dafür aber sicherlich nicht das notwendige Verständnis aufbringen können“, sagt Petra Krivy.

Herdenschutzhunde im Tierheim

Leider landen immer mehr dieser in den letzten Jahren auch in Deutschland in Mode gekommenen Hunde im Tierheim. In München warten häufig Herdenschutzhunde auf ein neues Zuhause. Apollo zeigt sich dabei seinen Pflegern und Hundetrainern gegenüber äußerst verschmust und gelehrig. An seinem ausgeprägten Territorial- und Schutzverhalten kann mit ihm aber erst in seinem neuen Zuhause effizient gearbeitet werden. Gerade an Fremde oder Besucher sollte er deshalb sehr vorsichtig herangeführt werden. „Ein neuer Besitzer muss vor allem zwei Dinge mitbringen: Viel Zeit, um sich mit dem Hundecharakter intensiv auseinanderzusetzen, und die Fähigkeit, dem Hund ein souveränes Vorbild zu sein“, sagt Tierheimleiter Karl Heinz Joachim. Und mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Wenn es für den Hund dann auch noch eine Aufgabe gäbe, wie zum Beispiel ein paar Pferde zu bewachen, wäre das für Hund und Halter ein Sechser im Lotto.“