Der Magyar Vizsla - Sensibler Arbeitshund

Viele Magyar Vizslas wegen Überforderung der Halter wieder abgegeben. Nichtjäger sollten eine Anschaffung sehr gut überlegen, denn der Vizsla ist und bleibt ein Arbeitshund.

Magyar Vizsla

Zum Bild vieler Innenstädte gehört der Magyar Vizsla inzwischen dazu, als hübscher Begleiter modebewusster Damen und Herren. Doch ist es wirklich chic ein Lebewesen wie eine noble Handtasche als Accessoire an seiner Seite zu haben? Eigentlich nicht, zumal der Vizsla als Vollblut-Jagdgebrauchshund eine anspruchsvolle Arbeit in der Natur braucht wie die Luft zum Atmen. Es fällt schwer, sich die attraktiv gekleideten Vizsla-Menschen der Stadt täglich und selbst bei Schmuddelwetter in verdreckter Kleidung mit Gummistiefeln und Hundepfeife bei einer entsprechend rassegerechten Auslastung ihrer Hunde auf dem Feld oder im Wald vorzustellen. Aber genau das ist es, was ein Vizsla braucht. Menschen, die sich nicht zu fein dafür sind, ihrem Jagdhund täglich bei Wind und Wetter genau das zu bieten, wofür er eigentlich gezüchtet wurde: die Arbeit vor und nach dem Schuss, im Wald und Feld, sowie am und im Wasser.

Die Ursprünge des Vogelhundes

Über die Geschichte des Magyar Vizslas ist nur wenig Literatur vorhanden, weshalb die genaue Rasseentstehung etwas umstritten ist. Erste schriftliche Aufzeichnungen existieren aus dem 13. Jahrhundert. Als Heimat der goldenen Vierbeiner gilt Pannonien, der heute westlich der Donau gelegene Teil Ungarns. Aus verschiedenen Briefen des 16. Jahrhunderts geht hervor, dass die ungarischen Vorstehhunde eng mit der Falken- und Wachteljagd verbunden sind. Diesen Anforderungen entsprechend standen bei der Zucht stets eine leichte Führigkeit, sowie ein ausgeprägter Suchund Finderwille im Vordergrund. Als 1526 die Osmanen in Ungarn einfielen und somit die 160jährige türkische Herrschaft begann, vermischten sich auch die ungarischen und die türkischen Jagdhunde. Darauf deutet vor allem die bald vornehmlich zu findende gelbrote Fellfarbe hin, die bei vielen Hunden Vorderasiens typisch ist.

Zum eigentlichen Vorstehhund wurde der Vizsla erst mit dem Niedergang der Falkenjagd und der Einführung der Schusswaffen. Da nur gelbrote Hunde als echte Vizslas galten, waren nur solche Exemplare zur Zucht zugelassen. Angeblich stellte diese Färbung bei der Rebhuhnjagd eine gute Tarnung auf den Stoppelfeldern dar. Um 1880 erlitt die Zucht einen jähen Einbruch, da ungarische Jäger zunehmend englische Setter und Pointer, sowie deutsche Vorstehhunde importierten. Um den stark zurückgegangenen Bestand zu retten, begann man andere Rassen einzukreuzen. Letztendlich soll der heutige Vizsla-Typ durch Verpaarungen ungarischer Hunde mit Pointern, Schweiß- und Windhunden entstanden sein.

Die Idee zur Zucht des drahthaarigen Vizslas kam in den 1930er Jahren unter ungarischen Jägern auf. Ihr Ziel war es, einen Jagdhund zu schaffen, der dieselben Gebrauchseigenschaften und denselben Charakter wie der kurzhaarige Vizsla hatte, andererseits aber noch widerstandsfähiger gerade auch bei schlechten, kalten Witterungsbedingungen war. Dieser Typ entstand aus Kreuzungen glatthaariger Vizslas mit deutschen drahthaarigen Vorstehhunden. Bis heute sind die drahthaarigen Hunde deutlich seltener als die Kurzhaarigen.

Sensibelchen mit Familiensinn

Ob kurz- oder drahthaarig, der Magyar Vizsla hat ein äußerst liebenswertes Wesen. Hunde beider Haararten verfügen über einen fast identischen Charakter. Den drahthaarigen Rassevertretern werden teilweise etwas mehr „Härte“ und manchmal eine ruhigere Art nachgesagt. Viele Verhaltensweisen, die den Vizsla einerseits zu einem begehrten Vorstehhund, andererseits aber auch zu einem vielseitigen Allrounder für die Arbeit im Jagdrevier machen, zeigen sich selbst im Familienalltag. So schließt sich der passionierte Jagdgebrauchshund sehr eng an seine Leute an und will als Partner verstanden werden, der alles mitmachen darf. Der hübsche Ungar braucht also unbedingt engen Familienanschluss. Bei einer Zwingerhaltung würde das sanftmütige Sensibelchen seelisch verkümmern, viel lieber ist die schlappohrige Schmusebacke auch mal genießende Couchpotatoe. 



Vizsla

Neben dem Apportieren ist Schwimmen seine zweite große Leidenschaft und typische Anlage als Vorstehhund. Meist wird jeder Teich, jeder Bach und jede Pfütze genutzt, um in irgendeiner Form mit dem kühlen Nass in Berührung zu kommen. Regen, also Nässe von oben, ist dagegen oft nicht sehr beliebt. In der Regel sind vor allem die kurzhaarigen Rassevertreter von dieser Antipathie betroffen. Die drahthaarigen Hunde nehmen schlechtes Wetter meist gelassener hin.

Hundeverstand ist Pflicht

Bekannt ist das bellende Goldstück für seine Clownhaftigkeit und Situationskomik. Aufgrund dieser lustigen Ader gepaart mit einer großen Neugier spricht der ungarische Vorstehhund gut auf eine spielerische Erziehung an. Zudem sind Konsequenz, Verständnis, Einfühlungsvermögen und viel Lob wichtig, dann zeigt sich der hübsche Vierbeiner leichtführig und unproblematisch. Versäumnisse nutzt er dagegen charmant, aber bestimmt aus. Da er äußerst sensibel ist, andererseits aber schon mal seinen Kopf durchsetzen will, braucht er eine ganz klare, souveräne, aber auch feinfühlige Führung. Der Vizsla besitzt eine angeborene Bereitschaft zum Gehorsam, er will gefallen. Trotzdem muss natürlich die Chemie zwischen Zwei- und Vierbeiner stimmen, die ein optimales Vertrauensverhältnis zueinander erst möglich macht. Um dies zu erreichen, benötigt ein Vizsla sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Dann schließt er sich seinem Menschen bedingungslos an und lässt ihn nicht mehr aus den Augen. Der Vizsla gilt nicht unbedingt als Anfängerhund, da für den Umgang mit ihm viel Fingerspitzengefühl erforderlich ist, schließlich zeigt auch er mal aufmüpfiges Verhalten, mit dem er seine Grenzen austesten will. Weil dann aber eben nicht mit Grobheit reagiert werden darf, wird von Seiten des Menschen viel Hundeverstand verlangt, um seinem Vizsla sanft, aber bestimmt gewisse Regeln im Zusammenleben eindeutig klar zu machen.

Durch sein gutes Gehör und seine stete Aufmerksamkeit kann der ungarische Vorstehhund schon mit leisen Tönen und feiner Körpersprache ausgebildet werden. Selbst ein Schimpfen im Flüsterton zeigt durchaus Wirkung. Der sensible Vierbeiner hat generell ein großes Harmoniebedürfnis. Bekannt ist der Vizsla außerdem für seine Kinderliebe, vorausgesetzt natürlich beide Seiten werden von Anfang an zu einem respektvollen Umgang miteinander angeleitet. Besonders mit kleinen Kindern ist er duldsam und vorsichtig. Größeren Kindern zeigen manche Rüden dagegen auch mal die Rangfolge. In brenzligen Situationen kann der Vizsla seiner Familie gegenüber einen ausgeprägten Beschützerinstinkt entwickeln. Auf seinem Grundstück ist der schöne Ungar überhaupt ein guter Wächter, der Fremde freundlich ankündigt, Eindringlinge aber auch energisch stellt.

Jagdgebrauchshund aus Leidenschaft

Damit der ungarische Vorstehhund seine positiven Eigenschaften voll ent- falten kann, ist eine angemessene Auslastung sehr wichtig. Er ist ein energiegeladener Arbeitshund voller Tatendrang, der neben viel Bewegung bei jedem Wetter unbedingt Kopfarbeit braucht und zwar täglich. Seinen Anlagen und Bedürfnissen wird man am besten im Jagdeinsatz gerecht. Wird er nicht jagdlich geführt, muss ihm eine anspruchsvolle, jagdnahe Beschäftigung geboten werden, denn ein unterbeschäftigter Vizsla entwickelt sich leicht zum Tyrann. In einem stabilen, souveränen Umfeld mit einer angemessenen, rassegerechten Auslastung zeigt sich der ungarische Jagdhund bei aller Energie im Haus äußerst ruhig, ausgeglichen und anpassungsfähig.

Fazit: Der Vizsla braucht eine sehr feinfühlige, aber auch souveräne, klare Hand, die ihn liebevoll, aber bestimmt, ohne Härte führt. Gegenseitiger Respekt und Fairness, aber auch Verständnis für die Anlagen und Rassebedürfnisse müssen die Basis im Zusammenleben mit dem ungarischen Vorstehhund sein.