Wer führt, managed das Energieniveau seines Hundes

Indem Sie die Energielevel Ihres Hundes verwalten, können Sie die wichtigsten Dinge des Alltags regeln. Dieser Ansatz von Michael Stephan ist für viele Hundebesitzer völlig neu.

Hund Energie

Der 15 Monate alte Weimeraner Justus hüpft schrill bellend durch den Flur. Frauchen hat die Wanderschuhe angezogen und die Leine vom Haken genommen. Also steht der lang ersehnte Spaziergang an und der Halbstarke drückt seine Freude überschwänglich deutlich aus. „Freude? Ja, aber Justus zeigt auch Stress. Der Hund ist alles andere als entspannt und gelassen, er ist hochgedreht und hektisch. Er ist nicht mehr ansprechbar, folgt seinem eigenen Plan, wird jetzt gleich losrennen, wenn die Tür aufgeht“, sagt Michael Stephan.

Keine starren Konzepte

Melanie Reinhardt (Name von der Redaktion geändert). hatte ihn angerufen, weil sie die jagdlichen Ambitionen ihres Vierbeiners immer schlechter regulieren konnte. Die üblichen Empfehlungen von Wurfkette bis Leckerli, von Halti bis Clicker hatten wenn überhaupt nur kurzfristige Wirkung gezeigt. Sie ist überrascht, dass Michael Stephan nicht erst im Wald anfängt zu intervenieren, sondern bereits an der Haustür.

„Mensch-Hund-Systeme zeichnet sich dadurch aus, dass wir keinem starren Konzept folgen, also nicht mit Rezepten arbeiten. Bei uns gibt es immer zuerst eine Analyse der jeweiligen Situation, um zu erkennen, wo der Anfang des Problems ist. Erst dann kann ich schauen, wo wir gemeinsam ansetzen müssen“, erläutert Michael Stephan. Er ist sicher: „Mit dem Verwalten der Energielevel deines Hundes kannst du die wichtigsten Dinge des Alltags regeln: Ansprechbarkeit, Leinenführigkeit und die eindeutige Klärung, was dem Hund zusteht und was nicht.“

Führen heißt entscheiden

Michael Stephan sieht diese Aufgabe deshalb als zentral an, weil im Rudel als oberstes Gebot gilt: „Wer führt, hat das Recht, die Energielevel der Hunde zu regulieren. Ich würde sogar sagen, nicht nur das Recht, sondern die Pflicht. Aus Liebe müssen wir als kompetente Hundeführer Grenzen setzen, das ist ein Liebesdienst am Hund. Denn so geben wir dem Hund Sicherheit, vermitteln ihm, in kritischen Situationen alles bestens für ihn zu regeln.“ In der Natur macht das der Leithund. Er entscheidet situativ, wann es zulässig ist sich aufzuregen und wann ein solches Verhalten das Rudel gefährdet.

Melanie Reinhardt bekommt also als Hausaufgabe, schon vor dem Start zum Spaziergang bei Justus für Ruhe zu sorgen. Sie hat erkannt: „Es ist ja auch ungesund, wenn Hunde Stress haben“ – und ist nicht zuletzt deshalb hoch motiviert. „Mit Michael habe ich abgesprochen, dass es nun mein Ziel ist, meinen Hund in Sicherheit und Gelassenheit zu bringen und da fangen wir an der Haustür an.“ Mensch-Hund-Systeme-Gründer Michael Stephan sieht die Abläufe so: „Zunächst machst du Justus klar, was er nicht zu tun hat. Als nächstes kannst du ihm dann kommunizieren: Du brauchst das nicht zu tun, weil ich als Mensch meine Führungsrolle ausfülle. Und als dritte Stufe lässt du ihn dann ganz entspannt Hund sein, weil er weiß, in Konfliktsituationen muss er sich nur an dich wenden, weil du alles regelst.“

Bei Justus hat sich ein universelles Problem gezeigt. Der Jungspund steht voll im Saft und hat wenig Selbstkontrolle. Da ist Melanie Reinhardt gefordert, immer aufmerksam zu sein, rechtzeitig zu erkennen, wenn sich der Weimeraner in ein ungesundes Energieniveau hochfährt und gleich angemessen zu reagieren.

Punktgenau eingreifen

Für Lucky, dem Podenco-Mix von Rüdiger Seibt (Name von der Redaktion geändert), analysiert Michael Stephan nach einer ausgiebigen Runde durch die waldreiche Umgebung ein solitäres Problem. Der fünfjährige Rüde ist überwiegend ausgeglichen und ansprechbar für Rasmus. Nur wenn er Wildgeruch in die Nase bekommt, geht der Kopf hoch und dem schnellen Blick folgt ohne jede Nachfrage bei Rasmus der furiose Spurt ins Unterholz. „Lucky hat ein angenehmes Energieniveau – jedenfalls überwiegend. Hier muss Rüdiger seine Aufmerksamkeit nur genau auf den Moment richten, wenn Luckys Nase hochgeht und punktgenau eingreifen. So wird er den Mix am Jagen hindern und seinen Alltag noch gelassener gemeinsam genießen können.“

Spannend zu sehen, wie Rasmus seinen Lucky energisch ansprechen und gleich entschlossen auf ihn zugehen muss. Erst wenn der Hund die Ohren zurücknimmt, die Rute runtergeht und die Augen auf Herrchen gerichtet bleiben, ist die Korrektur auch wirklich angekommen. Rüdiger Seibt erkennt das und bleibt beharrlich dran. Seine dankbare Rückmeldung an Michael Stephan nach wenigen Wochen: „Nun können wir auch im Wald wirklich entspannt und ohne konzentrierte Aufmerksamkeit unterwegs sein. Selbst bei den früher kritischen Wildbegegnungen bleibt Luckys Energie so, dass er immer ansprechbar ist - super.“