Hundeverhalten - Rassetypische Verhaltensunterschiede

Neue Studien zu Genetik und Verhalten zeigen, inwieweit sich Rassegruppen in ihrem Verhalten unterscheiden und welche Faktoren die Persönlichkeit von Hunden stark beeinflussen.

Hundeverhalten

Obwohl allgemein bekannt ist, dass verschiedene Rassen auch unterschiedliches Verhalten zeigen, wird es bei der Anschaffung oft nicht beachtet. Vielfach suchen Besitzer ihre Hunde nach ihrem Aussehen und nicht nach ihren Verhaltenseigenschaften aus. Viel zu spät merken die Menschen dann, dass sie einen Arbeitshund, bisweilen sogar einen echten Workaholic zu Hause haben, der sich eben nicht zum Couch Potato eignet. Oder sie haben einen Hund, der über viele Generationen auf selbstständiges Handeln selektiert wurde und deshalb wenig Begeisterung dafür zeigt, seinem Menschen buchstäblich jeden Wunsch von Augen abzulesen. Manchmal sind durch die Rassegeschichte hervorgehobene Eigenschaften sogar mit ursächlich für bestimmte Krankheitsneigungen. So besteht ein dringender Verdacht, dass gerade die auf besondere Beharrlichkeit und Ausdauer selektierten Hunderassen womöglich eher zu Verhaltensstörungen wie Stereotypien und Zwangshandlungen neigen als andere. 

Gene transportieren Informationen 

Seit etwa zehn Jahren laufen intensive genetische Untersuchungen über die Erbfaktoren, die das Verhalten eines Hundes steuern. Seitdem das Erbgut des Haushundes entschlüsselt wurde, man also die chemische Zusammensetzung der Erbsubstanz auf den Chromosomen des Hundes kennt, kann man auch versuchen, Rasseunterschiede in diesem Zusammenhang wiederzufinden. In Bezug auf das Verhalten wurden hierbei schon für mehrere Verhaltenseigenschaften sogenannte Kandidatengene identifiziert. Kandidatengene sind Abschnitte auf dem Erbgut, die so deutlich und statistisch so hoch signifikant mit bestimmten Verhaltenseigenschaften korrelieren, dass man ihnen mit Fug und Recht eine Bedeutung bei der Steuerung dieses Verhaltens zuschreiben kann. 

Dabei muss generell betont werden, dass ein Gen nicht direkt das Verhalten eines Tieres beeinflusst. Nicht das Verhalten ist erblich, sondern nur eine Information für die Herstellung eines bestimmten Eiweißes. Dieses Eiweiß, das dann zum Beispiel als Hormon, Botenstoff oder als Bindungsstelle für Botenstoffe wirken kann, bewirkt dann mittelbar die Ausprägung einer Verhaltenseigenschaft. In diesem Zusammenhang wurden in einer von einer amerikanischen Arbeitsgruppe groß angelegten Untersuchung am Erbgut von 147 Hunderassen Kandidatengene für eine ganze Reihe von körperlichen Merkmalen wie Größe, Langlebigkeit oder Krankheitsanfälligkeit identifiziert. 

Auch die Verhaltensweise des von Border Collies bekannten Hütens und Fixierens sowie die allgemeinen Persönlichkeitseigenschaften Wagemut und Trainierbarkeit werden von bereits identifizierten Genen gesteuert. Eine besondere Schlüsselrolle spielt offensichtlich bei mehreren Eigenschaften das Gen für IGF1, den insulinartigen Wachstumsfaktor 1. Dieses Gen ist an der Entstehung der Persönlichkeitseigenschaft Wagemut, aber auch an der Langlebigkeit und an der Wachstumsbremse für Kleinhunde beteiligt. Möglicherweise liegt hier auch ein Zusammenhang vor, weshalb viele Kleinhunde von geradezu eingebautem Größenwahn gesteuert sind. Möglicherweise liegt hier auch ein Zusammenhang vor, weshalb viele Kleinhunde von geradezu eingebautem Größenwahn gesteuert sind.

Eine andere Untersuchung, die sich ebenfalls mit chemischen und genetischen Zusammenhängen im Hundeverhverhalten beschäftigt, hat für mehrere Rassen Gene verglichen, die mit der Bildung und der Umwandlung der aktivierenden Botenstoffe des Katecholaminsystems in Verbindung stehen. Um diese Botenstoffe wie zum Beispiel das Adrenalin und Noradrenalin oder auch das als Selbstbelohnungsdroge wirkende Dopamin herzustellen, bedarf es einer Reihe von chemischen Werkzeugen. Diese großen, als Enzyme bezeichneten Moleküle wirken bei der Umsetzung und beim Zusammenbau der jeweiligen Botenstoffe mit. Um die jeweiligen Enzyme zu bauen, bedarf es wieder der Erbinformation in Form von mehreren Genen, die für die Bildung dieser Enzyme verantwortlich sind. Und genau bei diesen Genen gibt es verschiedene Varianten, die zum Beispiel beim Labrador, Golden Retriever, japanischen Shiba Inu, Zwergschnauzer und Beagle unterschiedlich häufig vorhanden sind. Die Persönlichkeitseigenschaften dieser Rassen könnten also durchaus mit der unterschiedlichen Ausprägung der Enzyme für die Bildung der aktivierenden Botenstoffe zu tun haben.